Darf Geld verdienen Freude bereiten?

„Mama, wenn ich groß bin, dann werde ich einmal Erfinderin. Ich sorge dafür, dass es kein Plastik mehr gibt. Ich erfinde etwas, dass gut für die Umwelt ist“. Das sagt unsere Tochter – sie ist 8 Jahre. Unser 5-Jähriger nennt sich selbst einen Forscher, einen Detektiv. Er will für die Welt etwas erschaffen. „Mama, ich erfinde einen Roboter, der alles für uns aufräumt“. Dann brauchst du nicht mehr aufräumen. Unser jüngster Spross der Familienbande – gerade mal 2 Jahre – findet derzeit alles aufregend. Die Neugierde ist bei unseren Kindern der gemeinsame Nenner, auch wenn der Begriff „Job“ noch meilenwert entfernt ist.

Diese Leichtigkeit ist es, die wir von unseren Kindern lernen können. Unser Job und unser Interesse bieten uns täglich die Möglichkeit dafür. Schließlich ist die Arbeit auch so etwas wie ein Tauschgeschäft. Wir wechseln Leistung gegen Entlohnung. Und auch dieser Prozess darf Freude bereiten.

Und wieder können wir von den Kindern lernen. Kleinkinder lieben es, „verkaufen“ zu spielen und dann Münzen zu bekommen. Denn Geld ist für sie ein besonderer Schatz, unabhängig vom Wert des Geldes.  Jeder Cent ist für die Kinder etwas „Besonderes“. Ein Schatz, egal ob er aus Münzen oder Scheinen besteht. Ob es nur ein Cent ist oder ein 20 Euro Schein. Für die Kinder ist es ein Spiel. Ein Geben und Nehmen. Ein Handel. Bei Kindern kann es schon einmal passieren, dass man 100 Euro für einen Kaffee bezahlt – dafür kommt er frisch gekocht aus der Kinderküche. Denn der Wert hat eine andere Bedeutung. Ist doch die verklebte Kinderkaffeetasse mindestens einen zweistelligen Betrag wert, oder?

Ich erlebe es oft, dass diese besondere Leichtigkeit im Job für viele Menschen beinahe unmöglich erscheint. So, als dürfen wir uns nicht erlauben, die Arbeit als ein Ereignis zu betrachten. Der Job ist von Pflicht geprägt, die es zu tun gilt, denn es muss dafür gesorgt werden, dass der „Laden läuft“. Dem Begriff „Pflicht“ kann ich viel abgewinnen, weil sie uns in vielen Lebenssituationen unterstützt, ins Tun zu gelangen. Das Wollen alleine bringt noch keine Erfüllung. Und das Müssen ist auch kein Garant für die Freude. Oft ist es eine schwere Last, Leistung zu erbringen und das Tauschgeschäft: Arbeit gegen Entlohnung erzeugt Druck oder Unsicherheiten, wie: verdiene ich zu wenig oder muss ich mehr leisten für ein gut bezahltes Gehalt? Das klingt dann mehr nach Schwere und verursacht oft noch mehr Druck.

Wir dürfen es uns jedoch erlauben, dass alles spielerisch zu betrachten und Chancen zu sehen und weiter voran zu gehen. Die Regelmäßigkeit im Handeln und die innere Überzeugung von unseren Stärken ist es, die uns voran gehen lässt. Lasst uns die Leichtigkeit aus unseren Kindheitstagen neu erkunden. Jeder von uns hat einen Jobwunsch, der uns beschreibt. Der unsere Leidenschaft widerspiegelt. Als Kind haben wir die Jobs nur anderes benannt. Wir haben ihnen besondere Beschreibungen verpasst – ohne sie klar zu benennen.

randonnée pied nus -  rivière
„Ich werde einmal die schönsten Frisuren machen“ – Traumberuf: Frisörin. „Darum schneide ich jetzt all meinen Barbiepuppen die Haare.“
„Ich liebe die Arbeit mit Holz – darum verbringe ich nach der Schule die meiste Zeit in der Holzwerkstatt und baue und gestalte.“ Traumberuf: Tischler.
„Ich bin gerne in Bewegung und spiele am liebsten mit meinen Freunden“. Traumberuf: noch unklar. Allerdings ist Bewegung die erste Orientierung und der Kontakt mit anderen Menschen.
soap bubbles on green nature background

Aufbauend auf unseren Vorlieben und Wünschen wachsen wir weiter in unserer Entwicklung. Wir schlagen neue Richtungen ein, die entweder von unserer persönlichen Entwicklung geprägt sind oder wir entdecken neue Interessensgebiete. Immer ist es der Entdeckergeist, der uns voranbringt. Die Kunst liegt dabei, dass wir uns die Natürlichkeit der kindlichen Abenteuerlust behalten. Das Geld verdienen ein Erlebnis sein darf, auch wenn uns die Herausforderungen des Lebens fordern. Denn die Pflicht, Geld zu verdienen, für eine Familie zu sorgen, Schulden abzubezahlen oder einfach nur den Lebensunterhalt zu stemmen sorgt dafür, dass die Leichtigkeit auch verschwinden kann und die Pflicht den emotionalen Stimmungsbarometer übernimmt.

Dabei macht es uns noch mehr zu Helden des Alltags in unserem täglichen Berufsleben, wenn wir die kindliche Naivität wieder zulassen. Denn sie stärkt unsere Kreativität, fördert unseren Entdeckergeist und lässt Neuheiten und Veränderungen zu. Sie macht es überhaupt möglich, einmal die rosarote Brille aufzusetzen, wenn gar nichts mehr geht. Mit einer positiven Einstellung können wir zum geistigen Hercules werden. Es lässt uns wieder erfinden, ohne dabei nachzudenken, ob das jetzt ein guter Plan ist oder nicht.

Darum lass dich tragen von deiner puren Zuversicht. Sie bringt dich wieder auf neue Wege, auf denen du schon lange nicht mehr gegangen bist. Und wenn es die Erinnerung an die Kindheit ist, wo ein Feuerwehrmann der größte Held war und ein frisch gekochter Kinderkaffee 20 Euro gekostet hat.

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