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Personalentwicklung Regina Göpfert

Personalentwicklung Regina Göpfert

Schon als Kind wollte ich Ärztin werden -
Dr. Marcia Lew

Ein klarer Aufruf für das Medizinstudium! Dieses Interview lässt dir keine andere Wahl und wenn nicht, dann schafft es eine Grundbegeisterung für die Medizin.

Mit Ehrlichkeit und Freude berichtet Dr. Marcia Lew vom Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern über ihren Weg der Ausbildung. Welche Auswirkungen ein Berufswunsch im Kleinkindalter haben kann und mit welcher Disziplin und Begeisterung sie ihren Werdegang verfolgt, erfährst du jetzt im Interview.

Es ist bekannt, dass ein Medizinstudium von Dauer ist und einen dabei Herausforderungen erwarten können. Bei meinem Gespräch mit der jungen Ärztin Dr. Marcia Lew war ein anderer Blickwinkel präsent. Nämlich jener, dass es Freude bereitet seinen Weg zu gehen und jeder Einzelteil ihres Studiums für sie ein aufregendes Abenteuer war. Natürlich gab es intensive Lernphasen und wahrscheinlich viel mehr, als einem oft lieb ist, aber im Rückblick auf ihr Studium zeigt sie ein klares Bekenntnis zu ihrer Entscheidung für die Medizin. Herausforderungen anzunehmen und seine Aufgaben in gut strukturierte Pakete zu verpacken –  davon ist Marcia Lew überzeugt. Ihre konsequente Zeiteinteilung unterstütze sie dabei Prüfung für Prüfung zu meistern und bis ins Ziel zum fertigen Studienabschluss zu kommen.

Ihre Leidenschaft für die Medizin und Menschen zu helfen kann sie in ihrem Beruf ausleben. Diese innere Überzeugung und dabei auch etwas Gutes zu tun strahlt Dr. Marcia Lew im ersten Moment aus. Eine Freude, von talentierten Ärzten umgeben zu sein.

Wer mehr über die Ausbildung als Arzt/Ärztin erfahren möchte und welche positiven Auswirkung Selbstdisziplin hat – wünsche ich viel Freude beim Lesen.

"Die Arbeit im sozialen Bereich sollte Spaß machen und bereichern."
Dr. Marcia Lew

 

Was möchtest du als Ärztin weitergeben?

Mit dem Thema Gesundheitskompetenz bzw. Gesundheitsbewusstsein habe ich mich erstmals intensiv im Rahmen meiner Diplomarbeit beschäftigt. Durch meine bisherigen Erfahrungen im Klinikalltag wurde mir noch klarer wie wichtig dieses Thema ist. Die Prävention von Krankheiten durch ein gewisses Grundbewusstsein für Ernährung, Bewegung sowie das eigene körperliche und „seelische“ Wohlbefinden ist essenziell. Leider geraten diese Themen oft in den Hintergrund und der Krankheitsprävention wird nicht genug Beachtung geschenkt. Jedoch sollte gerade in jungen Jahren, in der Schulbildung, die Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden. Ich versuche deshalb diese Themen so gut es geht im Rahmen der Visite, als auch generell in Gesprächen hervorzuheben.

 

Was ist wichtig, wenn man sich für einen sozialen Bereich entscheidet?

Die Arbeit im sozialen Bereich sollte Spaß machen und bereichern. Ich denke, dass man relativ schnell merkt, ob dies der Fall ist. Ich habe bereits sehr früh angefangen im Sozialdienst beim Samariterbund mitzuarbeiten und auch später als Rettungssanitäterin habe ich tolle Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln können. Zusätzlich war ich während des Studiums in der Gastronomie tätig. Die Interaktion mit meinen Mitmenschen hat mir immer wieder Freude bereitet. Ich bin gerne mitten im Geschehen und bekomme mit was um mich passiert. Für mich war somit klar, in welchem Bereich ich arbeiten möchte.

 

Wie ist das Leben als junge Ärztin?

Ein guter erster Einstieg ist das klinisch praktische Jahr, man kann den Klinikalltag kennenlernen und wird auch mit den Unterschieden zum Studium vertraut. Man merkt, was wirklich relevant ist und welche Themen man nebenbei noch vertiefen sollte. Bei den Barmherzigen Schwestern gefällt mir sehr gut, dass die Hierarchie nicht so ausgeprägt ist. Es gibt keinen Oberarzt, den man keinesfalls beim Vornamen nennen sollte und ich bin nicht die junge Ärztin, die ihre Meinung nicht äußern darf. Man wird, egal auf welcher Abteilung, von jedem Team super aufgenommen und darf selbstständig arbeiten. Das kollegiale, freundschaftliche Arbeitsumfeld gefällt mir wirklich sehr gut und ich werde in jeder Hinsicht toll unterstützt. Anfangs war ich natürlich nervös, ich wollte nichts falsch machen. Außerdem gibt es viele nicht-medizinische Abläufe bezüglich Bürokratie und Organisation, die in jedem Krankenhaus unterschiedlich gehandhabt werden und gerade zu Beginn eine Herausforderung darstellen. Nach ein bis zwei Monaten ist die Eingewöhnung jedoch geschafft und dann rückt das Medizinische in den Vordergrund. Jeden Tag traue ich mir mehr zu und werde ein Stück erfahrener. Das Feedback von meinen Fach- und Oberärzten ist sehr wertschätzend und konstruktiv. Das fördert natürlich wiederum die persönliche Motivation.

 

Wie ist bei euch die organisatorische Struktur im Ordensklinikum?

Das Ordensklinikum Linz hat zwei Standorte: die Elisabethinen und die Barmherzigen Schwestern. Sowohl in der Basisausbildung, als auch in der Allgemeinmedizin- beziehungsweise Facharztausbildung ist es möglich zwischen den Häusern zu rotieren und dadurch eine sehr vielseitige Ausbildung zu erhalten.

KH Elisabethinnen
Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern

„Ich habe in Graz studiert und mich bewusst dafür entschieden!“

Dr. Marcia Lew

www.medunigraz.at

Die Ausbildungszeit varriiert, je nachdem welche Fachrichtung man macht sind es in etwa 5-6 Jahre. Ich bin derzeit an der Kardiologie bzw. auf der internistischen Intensivstation tätig, werde aber im Rahmen meiner Facharztausbildung noch mehrmals rotieren.

Ich habe in Graz studiert und mich damals auch bewusst für die Med-Uni in Graz entschieden. Einerseits konnte ich mir gut vorstellen dort zu leben und studieren, andererseits hat mir der damalige Aufnahmetest sowie der in Modulen aufgebaute Lehrplan sehr zugesagt. Im Gegensatz zu den anderen medizinischen Universitäten in Österreich hatten wir nicht am Ende des Studienjahres eine große Prüfung sondern alle sechs Wochen eine kleinere Teilprüfung.

Die ersten fünf Jahre sind ein klassisches Lernstudium. Man hat zwar zwischendurch einige praktische Übungen im Labor beziehungsweise im Krankenhaus, die meiste Zeit verbringt man jedoch gerade in den ersten Jahren mit Bücher lesen und lernen. Das sechste Jahr ist das KPJ, das klinisch praktische Jahr. Danach schließt man das Studium mit einer Diplomarbeitsprüfung sowie einer praktischen Prüfung ab und anschließend absolviert man eine 9-monatige Basisausbildung an der Chirurgie bzw. Inneren Medizin. Spätestens jetzt sollte man sich entscheiden, wohin die weitere beruflich Reise gehen soll. Ich habe initial mit der Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin begonnen. Nach einigen lehrreichen Monaten in Rotation habe mich allerding doch für eine Ausbildung zur Internistin an unserer kardiologischen Abteilung entschieden und bisher nicht bereut.

Ich habe wenig Vergleiche, dennoch habe ich anfangs, als ich im Studentenheim wohnte mitbekommen, dass mein Studium schon zeitintensiver war als das von vielen anderen Mitbewohnern. Ich bin jedoch der Meinung, dass wenn man sich bewusst dafür entscheidet und man engagiert und konsequent bleibt, jeder die Prüfungen schaffen kann. Ein kleiner Nachteil zu manchen anderen Studiengängen ist die Anwesenheitspflicht. Ich musste so gut wie jeden Tag an der Uni präsent sein. Neben dem Studium zu arbeiten, vor allem wochentags, gestaltet sich somit schwierig. Auf der anderen Seite lernt man so seine Studienkollegen wirklich kennen und es entsteht eine sehr guter Zusammenhalt und auch Freundschaften die immer noch bestehen.

Ich glaube man muss der Typ für so etwas sein. Nicht jeder kommt mit dieser Art gut zurecht. Bei mir beginnt der Tag bereits damit, dass ich meine Termine checke und schaue, was heute am Plan steht. Ich strukturiere meine Erledigungen im Kopf. Natürlich muss man auch einmal spontan und flexibel sein. Ein grober Tagesplan schadet jedoch nie. Ich habe während meines Studium auch in Linz gearbeitet und hatte einen Partner in Linz, weshalb ich fast jedes Wochenende von Graz nach Linz gependelt bin. Aus diesem Grund wusste ich, ich musste unter der Woche alle Arbeiten und Erledigungen für die Uni abschließen, da das Wochenende für andere Sachen reserviert war. Ich habe dieses Vorhaben konsequent durchgezogen, was mich definitiv gestärkt hat und mich persönlich als auch beruflich wachsen ließ.

Ja das gehört fast dazu, glaube ich. Manche Prüfungen waren sehr intensiv, mit sehr viel Stoff zum auswendig lernen. Diesbezüglich sucht sich jeder seine eigene Technik, sich die Themengebiete so gut wie möglich zu erarbeiten. In dieser Zeit ist uns die Uni sehr entgegengekommen, und wir hatten weniger Präsenzveranstaltungen. Während intensiver Lernphasen habe ich gefrühstückt, danach gelernt bis zum Mittagessen, wieder gelernt und nach dem Abendessen habe ich bloß noch kurz ferngesehen oder war eine Runde spazieren, bevor ich früh ins Bett gegangen bin, um fit für den nächsten Lerntag zu sein.

Ich bin ein großer Fan von Podcasts und Audiodateien. Ich hatte leider die schlechte Angewohnheit, dass ich oft in meinem Bett gelernt habe, weshalb ich des Öfteren unfreiwillig Schlafpausen eingelegt habe. Hörbücher kann man sehr gut auch während Bus- und Zugfahrten anhören. Die handschriftlichen Zusammenfassungen der Lerninhalte haben mir auch geholfen. Ich habe viel mit Skizzen und Pfeilen gearbeitet und mir somit den Stoff gut eingeprägt. Auch gemeinsame Lerngruppen waren eine gute Möglichkeit. Unklarheiten konnten wir so noch einmal gemeinsam besprechen und unverständliche Fachgebiete verständlich machen.

Diese Angst ist verständlich, muss jedoch nicht sein. Nach der Schule, die ein geschützter Raum ist, in eine neue Stadt zu ziehen, in der man zu Beginn noch keinen kennt, fiel mir nicht leicht. Doch man wächst in den neuen Lebensabschnitt schnell hinein und nach kurzer Zeit legt sich die Angst. Ich war früher auch definitiv schüchterner, bin jedoch durch das Medizinstudium persönlich und fachlich über mich hinausgewachsen.

Fotocredit: Ordensklinikum

 

Wie könnt Ihr als Ärzte Ruhe bewahren in akuten Notsituationen?

Wichtig für die Ruhe ist definitiv die Erfahrung. Gerade in Notsituationen können Unsicherheiten schneller zum Vorschein kommen. So ist es gerade zu Beginn gut, dass man jederzeit einen erfahreneren Kollegen anrufen kann. Das gibt Sicherheit. In jedem Krankenhaus gibt es auch ein Herz-Alarm-Team. In akuten Situationen bekommt man so innerhalb von wenigen Minuten Hilfe. Durch diese Strukturen fühlt man sich auch als Jungarzt sicher. Zusätzlich gibt es regelmäßig Fortbildungen und Schulungen. Mir persönlich hat das Rettungsfahren zusätzlich enorm geholfen, weil man dadurch schon vorher lernt mit Extremsituationen umzugehen.

 

Wann hast du dich für die Kardiologie entschieden?

Ich hatte es zwar schon länger im Hinterkopf, jedoch gerade am Studienanfang ist ein Praktikum an einer internistischen Abteilung sehr schwierig. Man ist noch nicht so gut ausgebildet und somit fehlt das Verständnis um bestimmte Abläufe und Hintergründe zu verstehen. Während meiner Ausbildung habe ich sicher zwei, drei Mal meinen Zukunftsplan geändert. Die endgültige Entscheidung fiel bei mir erst recht spät, bereits nach meinem Studienabschluss. Es gibt allerdings auch einige Studienkollegen, die sich von Beginn an gezielt für eine Fachrichtung entschieden haben und dabei geblieben sind.

Sich in der Entscheidungsphase viel verschiedene Abteilungen und Kliniken anzusehen hilft ungemein und es  gibt auch Fächer, die im Studium kaum vorkommen, die man bloß während des Praktikums kennenlernen kann.

 

Versetze dich in die Rolle eines Elternteils, was wünscht du dir für deine Kinder?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder einen Beruf ausüben der ihnen Freude bereitet und leicht fällt und in dem sie ihre Stärken nützen können. Natürlich ist eine gewisse Grundausbildung wichtig, jedoch verbringt man so viele Stunden an seinem Arbeitsplatz, sodass die richtige Berufswahl wichtig ist.

Ich würde mir für meine Kinder wünschen, dass sie offen durchs Leben gehen und sich für etwas begeistern können, um schlussendlich das Richtige für sich zu entdecken. Es gibt in Österreich unglaublich viele Möglichkeiten, die einem denke ich gar nicht bewusst sind. Hierfür hilft es an Berufsmessen Teil zu nehmen, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten, zu lesen, Praktika zu absolvieren und so viele verschiedene Bereiche kennenzulernen.

 

Welche Lehrer haben dich in deinem Leben beeindruckt und sind dir bis heute in positiver Erinnerung?

Unter anderem war das mein Physik- und später Mathematikprofessor. Obwohl Physik keines meiner Lieblingsfächer war, schaffte er es mich dafür zu begeistern. Er pflegte ein freundschaftliches Verhältnis mit uns Schülerinnen und Schülern und versuchte seinen Unterricht durch Experimente und außerschulische Projekte verständlich und spannend zu gestalten. Wenn man erkennt, dass eine Person für einen da ist und einem etwas vermitteln möchte, für das Begeisterung vorhanden ist – lebt man diesen Elan für den Gegenstand als Schüler mit.

Fotocredit: Volker Weihbold

 

Wo hat deine Schulkarriere begonnen und welche Beweggründe hattest du bei der Wahl deiner Schulausbildung?

Ich habe die Volksschule in Urfahr besucht und bin im Anschluss, wie mein Bruder ins Georg-von-Peuerbach-Realgymnasium gewechselt. Mir ist das Lernen immer eher leicht gefallen. Bereits nach der Unterstufe habe ich mich für einen Schulzweig mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt entschieden. Ich war immer schon bemüht und relativ ordentlich und habe mich gut auf Tests und Überprüfungen vorbereitet.

Maturiert habe ich unter anderem in Biologie. Mein Interesse in diesem Bereich war damals schon spürbar und der Entschluss zum Medizinstudium fiel schon recht früh.

 

Wie kann man aus deiner Erfahrung die eigenen Stärken herausfinden?

In der Schule habe ich es dann gemerkt, wenn Prüfungszeit war. Wenn mehrere Sachen zu lernen waren habe ich immer als erstes zum Biologieheft gegriffen und damit begonnen. Mir hat dieses Schulfach einfach am meisten Spaß gemacht. Außerhalb der Schule ist es meiner Meinung nach wichtig vieles auszuprobieren.

Ich zum Beispiel war immer Teil einer Gruppe seien es Tanz-, Musicalgruppen oder beim Samariterbund. Das Gemeinsame stand bei mir immer schon an erster Stelle.

 

Was war dein Traumberuf in der Kindheit?

Ich kann mich daran erinnern, dass ich ganz früher einmal Lehrerin werden wollte. Die Liebe zum Erklären ist definitiv noch immer vorhanden. Ich erkläre Studenten sehr gerne etwas, wenn sie bei uns im Haus sind und bin jederzeit offen für Fragen.

 

Wenn du einen Wunsch frei hättest für alle Medizinstudenten, was wäre es?

Ich würde mir ein leichteres System während des Studiums für alle Medizinstudenten wünschen. Gerade im letzten Studienjahr hatte ich es sehr schwierig, da der Studienplan geändert wurde. Dies brachte für mich einige organisatorische Hürden mit sich.

 

Wie war die Zeit, während Corona aufgekommen ist. Was sind deine Erinnerungen daran?

Es war eine sehr kräfteraubende, aber auch medizinisch und organisatorisch interessante Zeit. Ich war damals in der Turnusärzte-Vertretung tätig und führte täglich unzählige Telefonate. Unsere Dienstpläne mussten ständig an neue Situation und das vermehrte Patientenaufkommen angepasst werden. Das war sehr fordernd aber auch lehrreich. Auch wenn es spannend war neuer Erfahrungen sammeln zu können so ging das tägliche Tragen der Schutzausrüstung an die Substanz.