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Smurfit Kappa

Günter Leitgeb

Pulp Mill Manager bei Smurfit Kappa

Was ist Verfahrenstechnik, welche Jobs bietet die Papierindustrie, welche Chancen warten in einem internationalen Konzern auf einen und vor allem wie kann ich meine Talente finden und meine Stärken fördern? Antworten gibt’s dazu von Günter Leitgeb. Ein Fresh-Up für deinen Job und deine Berufsentscheidung.

Günter Leitgeb ist verwurzelt in Kärnten, doch seine Reisebereitschaft und seine Freude in der Papierindustrie zu arbeiten, bewegte ihn vor fast 10 Jahren von Kärnten nach Oberösterreich zu ziehen.

Bei seinem ersten Ferialjob hat er bereits Papierbögen zugeschnitten und Rollen verpackt. Der Papierbranche ist er treu geblieben. Heute beschäftigen ihn andere Aufträge. Komplexere, wie Rohstoffe eingespart, Ausfälle vermieden und Prozesse vereinfacht werden können und dabei immer mit dem Blick auf die Zukunft gerichtet. Günter Leitgeb ist Pulp Mill Manager bei Smurfit Kappa Nettingsdorf AG & Co KG.

Internationalität, Lösungen finden und Herausforderungen annehmen, das sind Indikatoren für Günter Leitgeb. Fremdsprachen, andere Kulturen, der Austausch mit anderen Ländern und Aufgaben, die ihn fordern zeichnen seine Motivation in der täglichen Arbeit aus.

Bei Smurfit Kappa kann er diesen Spagat zwischen Technik und seiner persönlichen Motivation für den Job vereinen. Viele Menschen lassen sich durch den großen Bereich der Technik verunsichern. Oft verursacht durch alte Klischees, die besagen, dass Technik kompliziert sei und nur für Männer geeignet ist.

Für Günter Leitgeb ist die Technik etwas Einfaches. Er sieht darin Chancen, etwas zu erschaffen, Prozesse leichter zu gestalten. Für ihn braucht ein Job Herausforderungen, damit man keinen Tunnelblick für seine Aufgaben bekommt und zugleich schätzt er Routinen, die den Alltag vereinfachen. 

In seinem Interview zeigt Günter Leitgeb, dass die Technik Perspektiven für jeden bereit hält. Sein Fundament ist sein Blick nach Lösungen. Das Studium der Verfahrenstechnik schaffte ihm eine fundierte Basis in der Papierindustrie, seine Zielstrebigkeit, die Neugierde und die Motivation etwas zu Erschaffen beschreibt seinen Werdegang. Alle weiteren Infos zu ihm und Smurfit Kappa  findest du im Interview.

Bei mir war das starke Interesse gepaart mit dem Bewusstsein, dass es für Techniker viele gute Jobaussichten gibt. Also auf zur Informationsmesse (Graz), dachte ich mir und dort holte ich mir alle Infos zum Studium „Verfahrenstechnik“. Und begonnen habe ich es dann auch gleich. Zehn Semester waren anberaumt. Nach sechs musste man sich entscheiden, ob man den Bereich Anlagenbau oder aber Papier- und Zellstofftechnik bevorzugt.

Akad. Papieringenieurs Verein

Bei mir war das starke Interesse gepaart mit dem Bewusstsein, dass es für Techniker viele gute Jobaussichten gibt. Also auf zur Informationsmesse (Graz), dachte ich mir und dort holte ich mir alle Infos zum Studium „Verfahrenstechnik“. Und begonnen habe ich es dann auch gleich. Zehn Semester waren anberaumt. Nach sechs musste man sich entscheiden, ob man den Bereich Anlagenbau oder aber Papier- und Zellstofftechnik bevorzugt.

Ich wusste, dass ich in die Technik gehen möchte, da ich gerne mit den Händen etwas gebastelt und gebaut habe und weil mich die Jobaussichten überzeugten. Mein Vater gab mir einen Tipp, dass es „so etwas“ wie Verfahrenstechnik gibt.

Nach sechs Semestern musste man sich zwischen den Vertiefungen Anlagenbau oder Papier- und Zellstofftechnik entscheiden, ich habe Zweiteres gewählt.

Es gibt zB. die thermische Verfahrenstechnik (dabei lernt man, was sich im Inneren von Behältern abspielt), den Apparatebau (also die Maschinen), die Fertigungstechnik (wie man etwas baut), die Werkstoffkunde (was Materialien können) und den theoretischen Background von so ziemlich allen technischen Bereichen. Man benötigt Allgemeinbildung und alles andere erlernt man während des Studiums.

Die eigene Kaffeemaschine ist dafür das beste Beispiel. Du hast eine Kaffeebohne, diese wird geerntet und gereinigt. Zuhause in der Kaffeemaschine wird sie mechanisch gemahlen. Unter Druck und Temperatur werden die Aroma- und Geschmacksstoffe des Kaffees thermisch mit Wasser extrahiert. Und wir dürfen den Kaffee genießen durch einen einfachen verfahrenstechnischen Vorgang.

  • Einen Überblick über den technischen Background.
  • Die Problemlösung, also dass man den Überblick hat und Zusammenhänge erkennt.
  • Das Netzwerken und den Austausch mit Gleichgesinnten

Dafür sprechen klar zwei Beweggründe: Einerseits, um mein fachliches Wissen aufzubauen und, um die Kultur kennenzulernen. Mich hat Spanien sehr interessiert und ich habe deshalb am Ende meines Studiums – als so gut wie fast alle Prüfungen geschrieben waren – ein Auslandsjahr dort gemacht. Das war eine unvergessliche Erfahrung.

Ich habe gelernt, mit unterschiedlichen Menschen umzugehen. Mir war es besonders wichtig, dass ich in Spanien nicht mit meinen gleichgesinnten, also mit deutschsprachigen Menschen unterwegs bin, und bin deshalb zu einem Spanier in die Wohnung gezogen, was dem Erlernen der Sprache extrem dienlich war.

Rasch habe ich mich nach einem Job umgesehen, da ich in Spanien mein ganzes Geld ausgegeben hatte. Außerdem musste ich meine Diplomarbeit verfassen, um mein Studium abzuschließen. Ich konnte im Zuge des Arbeitens bei Mondi für meine Diplomarbeit Versuche durchführen. Mit der Laborarbeit, den anschließenden Auswertungen und dem Verfassen meiner Abschlussarbeit war ich knapp zehn Monate intensiv beschäftigt.

Meines Erachtens ist die Flexibilität das A und O. Es gibt natürlich Momente, in denen man das Studium anzweifelt. Es trotzdem durchzuziehen, hilft einem enorm. Bei mir gab es eine Vorlesung, die ich unmöglich fand. Ich habe dann einen Weg gefunden, wie ich sie umgehen konnte. Es ist das Finden von Lösungswegen, die einem helfen für die eigene, berufliche Laufbahn.

Erstmalig dürfen wir zwei weibliche Lehrlinge begrüßen

Günter Leithgeb

Leider gibt es viel zu wenige Frauen in der Papierbranche, obwohl der Frauenanteil beim Studium zu den höheren unter den technischen Lehrgängen zählt. Gerade die Papierbranche eröffnet aufgrund ihrer Vielfältigkeit jede Menge Chancen und bietet Möglichkeiten für die Abdeckung einer Vielzahl von Interessen. Dass die Papierbranche auch etwas für Frauen ist, zeigen v.a. die skandinavischen Länder vor wo der Anteil der Frauen weit über den Durchschnitt liegt. Auch wir in Nettingsdorf sind bemüht, die Frauenquote zu erhöhen und sind stolz darauf, dass wir vor kurzem die ersten beiden weiblichen Lehrlinge begrüßen durften.

Wenn es etwas gibt, das in erster Linie als nicht möglich erscheint, spornt es mich an, alles zu tun, damit es funktioniert. Widerstände sind für den Erfolg sehr wichtig. Denn jede Hürde kann erfolgreich bezwungen werden und das spornt mich an.

Zurzeit stehen wir gerade vor einer neuen Herausforderung. Wir wollen ein neues Kraftwerk, einen chemischen Reaktor, errichten. Der Kessel wird für den Zellstoffprozess benötigt, weil dadurch Chemikalien gewonnen werden können. Ein nettes Nebenprodukt ist der Dampf, mit dem man Energie erzeugen kann. Dieses System wollen wir nun austauschen und ein neues Setup für die Zukunft aufbauen.

Ich habe österreichweit, aber auch international, sehr viel mit Netzwerken gearbeitet und zusätzlich zu meinem Know-how weiteres Expertenwissen einfließen lassen. Der ganze Prozess ist unglaublich arbeitsintensiv und benötigt eine gefühlte Ewigkeit. Für den wirtschaftlichen Wachstum ist es zusätzlich wichtig, dass man Rohstoffe einspart und Ausfälle vermeidet. Dieser ganze Prozess hat zirka zehn Monate gedauert und bis zur internen Freigabe noch einmal sechs Monate, bis wir das Einverständnis des Aufsichtsrates bekommen haben.

Nettingsdorf 54

Das ist sicher die erfolgreiche Umsetzung meines Projektes. Da bin ich gerade mitten drinnen und es ist definitiv der Höhepunkt meiner Karriere. Weiters hat mir die Zusammenarbeit mit engagierten Studenten der FH sehr gut gefallen. Ein schönes Erlebnis ist es zu sehen, wie sich junge Mitarbeiter entwickeln, wenn man es schafft sie zu motivieren und ihnen den nötigen Freiraum gibt.

Ich bin – seit ich befugt bin zu arbeiten –in der Zellstofftechnik tätig. Ich habe die Branche bereits während meiner unzähligen Ferialjobs kennengelernt. Ich finde es sehr spannend, wenn Jugendliche eine Lehre und anschließend noch ein Studium absolvieren. Dadurch hat man bereits wertvolle Erfahrungen in der Praxis sammeln können. Die Spielwiese ist groß und darf erkundet werden.

Ein erster Zugang ist, sich zu fragen, was man gerne macht. Ich habe beispielsweise als ich 13 Jahre alt war an meinem Baumhaus gearbeitet, obwohl ich das nie gelernt habe. Es hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht. Ich mag es, mir selbst Dinge beizubringen und zu erlernen. Ich rate den Jugendlichen, sehr stark aufs Innere zu hören und zu überlegen, was die Hobbys sind und was jeder davon mit Leib und Seele gerne tut.

Ich habe mit 14 Jahren auch noch nicht gewusst, was das Richtige für mich ist und bin deshalb unglaublich dankbar, dass ich diesbezüglich eine Lenkung von meinen Eltern bekommen habe. Hierfür ist es wichtig seine Kinder gut einschätzen zu können. Eltern müssen die Beweggründe verstehen, weshalb Kinder gewisse Sachen auf deren Art machen oder eben nicht machen. Die Bedürfnisse dürfen unterstützt werden und dafür braucht es Geduld von beiden Seiten.

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