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Personalentwicklung Regina Göpfert

Personalentwicklung Regina Göpfert
„Darf’s ein bisserl mehr sein?“

Unternehmensberater für „Gesundheit und Soziales“, Autor und Trainer – Stefan Schützenhofer lebt drei Berufe in Personalunion. Klar strukturierte Entscheidungen und ein optimiertes Zeitmanagement helfen ihm dabei.

Dass es nicht unbedingt DER EINE Beruf sein muss, um von einem erfüllten (Berufs-)Leben zu sprechen, beweist Stefan Schützenhofer. Der Vater zweier Söhne appelliert junge Menschen, in sich hineinzuhören und zu reflektieren, ob die Berufswahl wirklich dem eigenen Wunsch entspricht. Wenn dem so ist, darf man sich trauen, die richtigen Schritte zu setzen, um ans Ziel zu kommen. Dass man dabei oftmals auch an die eigenen Grenzen stößt, ist ein enorm wichtiger Prozess: denn entlang der „einfachen Wege“ sind Erfolge nur halb so schön. Zur Verwirklichung der Träume braucht es dann auch noch ein gutes Netzwerk – gemeinsam erreicht man noch mehr.

Akademisches Gymnasium Linz
Akad. Gymnasium Linz

Das akademische Gymnasium in Linz hat Stefan zunächst vor allem deshalb besucht, weil sein Bruder auch diese Schule gewählt hatte. Eigentlich habe er keinen Gedanke daran verschwendet, eine andere Schule zu besuchen, meint er im Rückblick an die damalige Entscheidung. Stefan ist in den 80-er Jahren in Linz, genauer gesagt in Urfahr aufgewachsen. 

Das Thema „Migration“ war ihm damals unbekannt. Ein Aspekt, der für ihn deshalb interessant ist, weil er im Nachhinein bemerkt hat, dass ihm etwas gefehlt hat, findet er doch unterschiedliche Kulturen als große Bereicherung fürs Leben

Außer für Französisch und Mathematik musste er nie viel für die Schule lernen. Der Knopf für‘s Lernen ist ihm nach einer negativen Mathematik-Schularbeit aufgegangen. Er konnte es nicht fassen, Mathematik nicht zu verstehen und so hat er sich sehr intensiv mit dem Unterrichtsstoff beschäftigt, um die Inhalte wirklich zu begreifen – sein Ausgangpunkt für effektives und verständnisorientiertes Lernen.

Nach der Matura wurde das Bundesheer absolviert. Dort durfte er sozial sehr viel lernen und musste erstmals auch „Migration“, jedoch im Sinne von Abwehren und „nicht nach Österreich hineinlassen“ kennenlernen. Danach ging’s nach Wien, um Internationale Betriebswirtschaft zu studieren. An der Uni Wien wurden Logistik, Marketing und viele andere Lehrgänge angeboten. Man musste seine Präferenzen für die Lehrveranstaltungen mittels Punkten vergeben. Den Kurs „Krankenhaus-Management“ hatte er mit null Punkten – also sehr wenig prioritär – versehen. Auf Marketing und Logistik hatte er viele Punkte verteilt, offensichtlich jedoch nicht genug um tatsächlich in die Kurse „hineinzukommen“. Da jedoch Krankenhaus-Management kaum jemand gewählt hatte, bekam er dieses Fach und ist sozusagen durch Zufall in eine Fachrichtung gerutscht, die er zunächst gar nicht unbedingt wollte, die ihn dann aber sehr interessiert hat. Es ging weniger um das Management, viel eher um den Krankenhausbau, die Geldflüsse im Gesundheitswesen, um Personalberechnungen und -zusammensetzungen und die Prozesse in Krankenhäusern, bis hin zu Berechnungen epidemiologischer Entwicklungen.

Stefan hat auch seine Diplomarbeit zu einem Thema im Gesundheitsmanagement verfasst. Ein Studienjahr an einer Business School in Oslo (Norwegen) rundete die Ausbildung an der Universität ab.

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Universität Wien

Welche persönliche Erfahrung möchtest du mit Studenten teilen?

Ich finde, es ist wichtig, die Begriffe „Studieren“ und „Lernen“ klar voneinander abzugrenzen. Für mich bedeutet „Studieren“, sich mit einem Inhalt in der Tiefe auseinander zu setzen. Dazu gehört auch das Lesen von Fachliteratur und der freiwillige Besuch von Lehrveranstaltungen, auch wenn sie nicht verpflichtend sind. Ich war damals sehr zielstrebig unterwegs und habe mich selbstständig in Thematiken vertieft.

Nach seinem Studium arbeitete Stefan bei der KPMG – acht Jahre lang sammelte er Erfahrungen im Berufsbild der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung, hauptsächlich durch die Prüfung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Auch ein großes Auslandsprojekt fiel in sein Aufgabengebiet. Er begleitete die Reform des Gesundheitssystems in Brčko – einer Stadt in Bosnien und Herzegowina, in der Bosnier, Kroaten und Serben gemeinsam leben. Es waren sechs Monate, die nicht nur fachlich interessant waren, sondern auch viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Menschen, die sich körpersprachlich ganz anders ausdrücken und viel impulsiver sind, brachten.

Wie hast du das Arbeiten in anderen Ländern und mit anderen Kulturen empfunden?

Nach dem Projekt in Brčko war ich auch in Deutschland, in Südtirol und in Ungarn, in Tschechien und in Ägypten unterwegs. Mir hat es immer gefallen, unterschiedliche Kulturen kennenzulernen und mit den Menschen dort zu arbeiten. In Ägypten hatte ich mit einer zweiten befreundeten Firma zusammen mein zweites großes Auslandsprojekt. Wir haben gemeinsamen an der Planung und Errichtung eines Universitätskrankenhauses gearbeitet. Für mich war es schockierend zu sehen, wie das alte Krankenhaus aussah, und wie gut es uns in Österreich geht. Trotzdem waren die Ägypter zufrieden und haben sich manches viel weniger zu Herzen genommen als wir.

Während meiner Zeit in Ägypten wurde ich stark mit dem islamischen Glauben konfrontiert, da unser Projekt während des Ramadans stattfand und wir deshalb, wie alle anderen auch, nichts zu essen oder trinken bekommen haben. Diese Zeit war extrem anstrengend und ungewohnt, doch andererseits hat sie mir einen der schönsten, beruflichen Abende beschert, als wir mit unserem Kunden gemeinsam Fastenbrechen waren.

Wie war das dann mit dem Sprung in die Selbständigkeit?

Da gab es noch zwei Zwischenschritte. Ich bin von der KPMG mit meinem damaligen Chef weggegangen und habe in seinem neuen Unternehmen zu arbeiten begonnen. Ich war bei der Gründung eines Unternehmens dabei und durfte dieses mit meinem Chef gemeinsam – im Alter von 32 Jahren – aufbauen. Dieser Tätigkeit bin ich drei Jahre lang nachgegangen, hatte spannende Projekte in Afrika und in der Mongolei, bis ich zum oberösterreichischen Landesrechnungshof wechselte. Dort habe ich viel Zahlenarbeit gemacht, aber auch verständnisorientierte Prüfungen begleitet. Drei Jahre lang war das ok, das gewisse Etwas und der Kick fehlten mir allerdings dabei.

Im Sommerurlaub auf Amrum in Norddeutschland habe ich mit meiner Frau einen möglichen Schrittes in die Selbstständigkeit besprochen. Sie hat mir in dieser frühen Entscheidungsphase sehr viel positives Feedback gegeben – im Vertrauen darauf, dass ich trotzdem keine voreiligen Schritte setze.

Anschließend habe ich noch viele weitere Gespräche zu diesem Thema mit anderen Vertrauten und mit meine Frau geführt und sie stand mir als Coach zur Seite. Im September 2013 habe ich für mich den Schritt in die Selbstständigkeit beschlossen, einige Aus- und Weiterbildungen in dieser Hinsicht absolviert und bin mit Februar 2014 als selbständiger Unternehmer gestartet.

Schützenhofer Stefan
Schützenhofer Beratung
Stefan Schützenhofer
12senkrecht - Stefan Karl

Bist du glücklich mit dieser Entscheidung und welche Tipps hast du für junge Menschen?

Ja, zurzeit bin ich auf jeden Fall glücklich. Ich habe mir mein Tun und mein Arbeiten so gerichtet, wie es mir entspricht. Ich arbeite von zuhause aus, bin jedoch gerne unterwegs. Meine Kunden schätzen an mir, dass ich Konzepte gänzlich alleine abwickle und umsetze und nicht für einzelne Tätigkeiten andere Mitarbeiter vorbeischicke. Wer Stefan Schützenhofer anruft, bekommt auch Stefan Schützenhofer und ich teile es mir so ein, dass ich ehestmöglich jeden Kunden antreffe.

Meiner Meinung nach ist eine umfassende Ausbildung die Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Es braucht eine gute Grundausbildung und eine im akademischen Bereich. Ergänzend dazu wäre eine spezifische Ausbildung in einer Lehre ideal.

Hilfreich sind praktische Arbeitserfahrungen, bei denen das Gelernte umgesetzt werden kann und in der Tätigkeit perfektioniert wird. Überdies sind „Cooling-Off“-Perioden oftmals hilfreich, um nicht sofort im Anschluss an ein Unternehmen eine Firma mit denselben Schwerpunkten zu gründen und somit unmittelbar in Konkurrenz zu stehen. Bei mir war das die Zeit im Landesrechnungshof.

Ich habe mich auf eine Branche, also den Gesundheits- und Sozialbereich spezialisiert, bin aber von Grund auf sehr breit aufgestellt und kann meinen Kunden breitgefächertes Wissen bieten. Dies möchte ich jungen Menschen ebenfalls als Tipp mitgeben.

"Geht nicht den einfachsten Weg, sondern bringt Euch an Eure Grenzen!"
Stefan Schützenhofer

Wie wichtig ist die Kommunikation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen?

Ich sehe, dass der Austausch unglaublich wichtig ist. Generell auch jener mit den eigenen Eltern und anderen Bezugspersonen. Als Nachwuchsfußballtrainer merke ich, dass ich zu den Kindern eine starke Beziehungen aufbaue, und dass ich für viele eine der wichtigsten Bezugsperson nach den Eltern bin. Diese Beziehungen halten zumeist auch noch lange an.

Welchen Ratschlag kannst du Jugendlichen geben, damit sie ihren Herzenswunsch verfolgen?

Man muss in sich hineinhören und überlegen, ob etwas wirklich der eigene Wunsch ist oder ob man nicht etwas macht, weil es die Eltern wollen oder weil es die Freunde auch machen. Sobald man sich über den eigenen Herzenswunsch im Klaren ist, darf man sich trauen, die richtigen Schritte zu setzen, um schlussendlich ans Ziel zu kommen. Sich selbst herauszufordern, nicht den einfachsten Weg zu gehen, sondern sich auch das eine oder andere Mal an die Grenze zu bringen, ist enorm wichtig, um erfolgreich das tun zu können, was man will.

Was gibst du Eltern mit, deren Kinder Schwierigkeiten haben, sich auf einen Beruf bzw. eine Ausbildung festzulegen?

Grundsätzlich ist es die Aufgabe von uns Eltern, die Kinder positiv zu unterstützen. Kommunikation miteinander über jegliche Themen ist wichtig. Dabei müssen sich die Eltern mit den Gedanken des Kindes befassen und im Gespräch bleiben, damit man Vertrautheit und Verständnis vermitteln kann.

Bei Gesprächen ist es wichtig, die Inhalte zu konkretisieren und die Jugendlichen nicht nach unzähligen Inputs dann allein zu lassen. Gerne können hierfür auch andere Personen ins Boot geholt werden, um zu Informationen und Entscheidungen zu kommen – zum Beispiel Jobcoaches usw.